12.000 km – 里丝绸之路德国至中国a

Tag 202 – bang boom krach

Was geschah am Tag 202

Endlich in Hubei, die Provinz in China die ich meine zweite Heimat nenne. Es ist der Tag 202 und ich habe bereits ca. 11200 km hintermich gebracht. Es war ein echtes Glücksgefühl.

Um ca. 11:30 war ich da. Wirklich wie in der 2. Heimat.

Nachdem ich einen Tunnel durchlief (der war schön trocken, es gab an dem Tag starken Nebel und Regen) kam ich in der Provinz Hubei an. Selbes Wetter wie vor dem Tunnel, aber glücklicher.

Victor musste ich schon früh am Tag verlassen da sein Bug am Ende zu sein scheint – Der Guide ist bei Victor und kümmert sich mit Ihm um die Fahrzeugsicherung und ggf. Abschleppen. Das der schlappe Bug eine Art Zeichen an diesem Tag ist konnte ich hier noch nicht ahnen. Victor aber ist sehr geknickt. Verständlicherweise wenn man weiß wie er den Bug den er von seinem Onkel Helmut hat liebt.

Viele Serpentinenwege führten hinunter zum Treffpunkt mit den Läufern aus Enshi die ich dort für die letzten 10-15 km treffen sollte.

Regenponcho an, kurze Hose, den WeSPOT aussen angebracht und das Telefon im Brustgurt des Rucksack ging es bergab.

Dann, ca. 12:00 – bang, boom, peng, krach, knacks. Beide Füße gebrochen. Aber wie kommt das? Was ist passiert? Wie konnte das geschehen?

Viele Autos auf der Straße und ich hatte das Gefühl dass es eng werden könnte. Wollte auf die Seite stand am rand eines Wasserkanals, stützte mich mit den Händen an der Wand ab. Durch die Nässe bin ich wohl dann ausgerutscht und auf den Versen ca. 50-60cm tiefer im Betonbett selbigen gelandet. Kurzzeitig verlor ich das Bewusstsein. Da ich immer regelmäßig von meiner Garmin Fenix 3HF ein signal bekomme (jede Stunde Erinnerung zum Trinken und alle 5 KM) wusste ich es war kurz vorher ca. 12:00 Uhr.

Um kurz nach 12:30 war ich wieder langsam klar im Kopf. Ich wusste instinktiv, oder durch die Routine und die Vorbereitung, was zu tun war. 

  1. Telefon suchen – es ist nicht in der Brusttasche. Mist. Wo? Ah hier. Mist nochmal. Ca 1-2 Meter entfernt. Verdammt. Fluchend und unter sehr starken Schmerzen – die aber noch leicht waren wie sich später herausstellte – schleppte ich mich dorthin.
  2. Location senden. Wer weis wann ich wieder bewusstlos werde? Wenn mein Team oder meine Familie eine Location ohne Nachricht erhält wissen Sie es ist etwas. Ansonsten ist die Regel: erst den Text senden, dann Location. Nur im Notfall anderes herum.
  3. Dann Sprachcnachricht senden. Tippen dauert zu lange und ist ausserdem beim iPhone wenn es regennass ist schwer. „I need help, Help, i need help, i fellt down. ….“. Ich habe die erste Nachricht an Bella gesandt. Sie ist zwar, wie ich schnell gereizt, aber wenn es hart auf hart kommt und andere schon vor Stress nicht mehr Handlungsfähig sind, ist sie voll da. Sie reagierte auch sofort. Als ich wusste, sie hat jetzt alles in der Hand, lies der Schock nach. Damit kamen auch erst die richtigen Schmerzen.
  4. Also ging es jetzt an Eigensicherung und Erstversorgung – weiß ja keiner wie lange das dauert.

Auf der Straße, die Beine noch im Wassergraben, den Oberkörper auf der Straße lag ich da. Ständig bogen Autos um die Kurven, die mich meist erst im letzten Moment sehen konnten.

Ich mit Regenponcho war kaum vom Asphalt zu unterscheiden. Mein Leuchtband-Jacke war davon geflogen. Ich musste also bei jedem Motorengeräusch auf mich aufmerksam machen. Wild die Arme fuchtelnd, Oberkörper aufrichtend, was zusätzliche Bewegung bis in die Beine brachte. Schmerzen, Schmerzen und Schmerzen mehr und mehr mir jeder Bewegung. Eigentlich wollte nicht mehr, ich wollte nur liegenbleiben und mich nicht bewegen – das war aber keine Lösung. Ich versuchte noch Steine zu sichten – größere Steine auf der Straße schrecken hier jeden an und jeder macht einen großen Bogen.

Düsterer Nebel, Regen und mitten im Wald in den Bergen. Das ist die Beschreibung. Hier, gerade hier auf der Route rechnet niemand mit einem Ausländer, schon gar nicht in der Position. Daher fuhren viele Autos vorbei und versuchten sich gar nicht erst lange aufzuhalten. Einige drehten die Scheibe heruntern und fragten etwas – wohl was passiert ist und ob ich hilfe bräuchte. Aber was konnte ich sagen? Notruf war abgesetzt und „Stell bitte ein Warndreieck auf“ konnte ich beim besten Wille nicht in chinesisch. Also deutete ich an, ich bin ok und sie könnten weiterfahren.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Ich rief nochmal an – jetzt wo der Notruf abgesetzt war konnte ich mich ja mit den doofen Tasten beschäftigen. „How long they need???“ Antwort: „Yes, they on the way, don´t worry – just 3-5 KM. Doctor is with them.“ Ja Ja, die sind unterwegs. Mit Arzt. Verdammt. Ich brauche keinen Arzt. Ich muss ins Krankenhaus und zwar schnell. Ich wusste, irgendetwas an den Füßen waren gebrochen und es war kein offener Bruch. Also was kann der Arzt tun? Schmerzmittel? Nochmal anrufen: „Ask them to bring painkiller with them.“ „shure they will have…“

Ok warten und weiter fuchteln. Durch den starken Regen im Gebirgsland wurde mir schnell sehr kalt und ich bekam Schüttelfrost. Jacke, Rettungsfolie? Beides im Rucksack. Der aber war meine eigentliche Stütze damit ich mich überhaupt irgendwie Aufbäumen konnte um zu fuchteln. Zudem war er auf meinem Rücken eng angelegt und fesstgezurt damit er beim Laufen nicht rumwackelt. Egal. Jacke muss her. Nur wie den Rucksack vom Rücken nehmen wenn du ganz verdreht halb auf ihm liegst.

Schmerzen hoch3 aber es muss sein. Ich versuchte also, erst meine Füße/Beine etwas hochzulegen, aus dem Graben hatte ich die bereits geholt, nun an die Mauer angelehnt. Nun ist es so. die Fersen liegen auf der Mauer auf, die Hüfte auf der Straße – ich wußte ja noch nicht, dass die Fersenbeine gebrochen waren. Egal – Kreislauf vor Schmerz. So wollte ich also erst meinen Kreislauf stabilisieren bevor die „Jacke hol Aktion“ startete. Diese dauerte dann auch 3-5 Minuten und das mit dem Beinen hoch erwies sich als richtig. Kaum hatte ich die Jacke versuchte ich die Beine wieder etwas hochzulegen. Kaum waren die halb oben war mir auch schon schwummerig aber ich blieb stabil.

Autos bremsten und quietschten permanent, schmerzen stiegen und ich konnte nicht mehr tun.

Was machst du in so einer Situation? Schmerzverminderung. Atmen. Ich hatte ja nun bereits mehr als 6 Monate mit diversesten Schmerzen zu tun und war – aus meiner Sicht top vorbereitet. Also fokkusieren und Atmen – klingt blöd ist aber möglich – den Schmerz wegatmen. Es half solange ich mich nicht bewegte. Aber die Kälte und der Schüttelfrost bewegten mit automatisch – die ruhige und ausgleichende Atmung glich das meist aus. Ich war in diesem Moment sehr froh über zwei meiner Grundsätze: „Expect the worst – celebrate the best“ und „harte Vorbereitung, leicher Kampf.“

Erstaunlicherweise hatte ich nun überhaupt keine Angst. Der Regen und die Kälte kühlten meine Füße, die Schwellung kam jetzt langsam und der starker Druck in den Füßen im Schuh und immer das dazugehörige krack knirsch wenn durch den Druck die Knocken oder Gelenke oder was immer sich verschoben. Da war mir klar. Vermutlich Splitter und die Gelenke aus dem Ruder. Es half nichts. Warten, fokkussieren und den Kopf behalten. Ersthelfer wollen auch geleitet werden. Nutze die Zeit Junge dachte ich mir. Nutze die Zeit.

Also überlegen. Kurz Heulen weil der Abbruch drohte. Gedanken an meinen Kleinen Xavier-Xushu und die vielen Fans und Unterstützer und Läufer und was ich ihm und ihnen versprochen habe. Geld das fehlt und die fehlende Gesundheit die mich arbeiten lässt… Sorgen. Lösungen durchdenken und fluchen und sich fragen warum das so lange dauert.

Dann kamen die Freunde und Ersthelfer mit einem MPV. Mit Verbandszeug und ohne Trage, nur mit Krankenschwester. Ohne Schnerzmittel. Alle dachten meine Beine wären gebrochen und so achtete erst niemand auf meine Füße. Kein Englisch. Ich konnte dann aber sehr rabiat und unsanft klar machen worum es sich handelt und dann wieder Bella anrufen, damit sie unmissverständlich klar macht ich muss ins Krankenhaus – die sollen hier nicht lange herum machen.

Der Rettungswagen war unterwegs hies es. „Nur noch 5-10 Minuten“ hahaha ok ok was sind schon 5-10 Minuten in unserem Leben? Hölle 5-10 Minuten. Verzweifelt versucht die Helfer meine Rettungsdecke aus meinem Rucksack holen zu lassen. Geklappt. Drüber gemacht . Hilft etwas wenn auch nicht viel, da

  • die Kälteschon in mir war und
  • von unten kam ich mich aber bestimmt nicht „umbetten“ lassen wollte.

Also Atmen und konzentrieren. Ich sagte mir immer wieder: Du hast im Winter trainiert, bei -10° C und ohne Essen. Du hast mit Fieber draußen geschlafen bei diesen Tempreaturen. Du hattest schon andere Schmerzen und gefährlichere Situationen im Leben. Ruhig bleiben – du bist darauf eingestellt – es geht vorbei – bald ist es gut. Halte durch – zeigen deinem Sohn das Schmerz zum leben gehört. Und so weiter. Und so fort.

Schon war da bei den Freunden und Helfern die Diskussion im Gange wie es wohl passiert ist. Was genau und überhaupt. Egal welche Sprache, Nation, Kultur. Wir sind da alle gleich und auch ohne chinesisch Kenntnisse verstand ich da plötzlich alles… ärgerte mich und sagte mir auch gleich wieder: lass es

Da war er. Ein einfacher Transporter. Sitze halb ausgebaut, einfache Ladefläche und eine Rettungstrage. Glücklich Routine und Erfahrung zu haben konnte ich Anweisungen zum aufbringen auf die Trage geben. Schmerzen aber rauf auf das Ding – letztendlich war es eine Teamarbeit – hahahaha was für ein Glück. Rein in das Fahrzeug. Die Trage ist fast so lange wie die Ladefläche? Vielleicht nur Angst meine Füße nicht zu stoßen blieb die Heckklappe offen. Na egal. Kühlt ausserdem die Füße. Offene Kofferaumtür, was soll’s. Sind ja zum Glück nicht in Old Germany.

Die Bergstraße war nicht durchgängig guten Zustandes und so war jedes Schlagloch eine Herausforderung an Atmung und Schmerzverarbeitung. Der Fahrer gab sich sichtlich Mühe die beste Kombination zwischen Schnell und Vorsichtig zu finden und er war sichtlich gestresst einen vermeintlichen „Star aus Europa“ an Board zu haben – CCTV Wartete schon im Krankenhaus und das wurde ihm wohl klar und deutlich mitgeteilt.

Also los zum Krankenhaus. Unterwegs viele Fragen und keine Antworten. Frage nach Schmerzmittel. Keine. Meine Schuhe? Der Druck steigt und ich wusste jetzt wäre es gut sich der 361° Ortega2 zu entledigen die bis dato meinen Fuß gut zusammengehalten haben.

Oh die von 361° muss ich auch informieren. Mist – brauche erst ne Lösung. Egal. Mir fällt schon was ein. Muss ich jetzt Geld zurück bezahlen? Mist was stand im Vertrag? Egal, könnte ich eh nicht. Wenn schon Mist dann richtig… (Sorgen die ich mir, wie sich herausstellte, unnötig machte. Die Sponsoren standen und stehen zum Projekt.)

Victor – soll ich ihn informieren? Nein, er gerät schnell in Hektik und verliert die Übersicht – er ist beschäftigt und Traurig mit seinem Bug beschäftigt – das muss warten. Ahhhhh ich kann ihm nicht mal Helfen…

weiter…. ins KH bitte. Schnell, jetzt, sofort, …

Also langsam die Schnürsenkel öffnen. Langsam den Druck ablassen. Bitte ein Foto machen. Hahaha. Leider weiß ich nicht wer im Sani das machte aber jemand hat eines.

Offen war es schon besser und Luft kühlte die Schwellung.

Dann endlich im Krankenhaus. Ca. 15-30 Minuten. Junger ruhiger Arzt. Gelassen verstand er grob was ich hatte und lies sich auch nicht durch CCTV und andere Hektiker aus der Ruhe bringen.

Schuhe aufschneiden lassen. Alle sind Übervorsichtig. Ich tat es dann zur Hälfte selber da mir das alles zu lange dauerte.

Erst x-ray, dann Telefonat mit der Familie.

„Sieht nicht so schlimm aus. Scheint nicht wirklich gebrochen auf den ersten Blick.“ Das war was ich hörte. Da ich so zitterte war das Bild aber aus meiner sicht kaum verwertbar und ich wusste das da einiges gebrochen sein musste. Aber egal. Ins Zimmer. 2. OG – Kein Fahrstuhl. Also trägt der Arzt und einige der Umstehenden mit die Treppen hoch. es ist A…. kalt. Ich habe eine Decke. Gut.

Alle Fragen mich was, CCTV und das Regionale TV waren eh vor Ort für die geplante Veranstaltung.

Heulend lag ich da. Ich habe meinem Sohn versprochen in Shanghai zu enden und nach Yichang zu laufen. Jetzt liege ich hier. Verdammt.  Kameras laufen. Egal. Aufgeben? Was denn? Heul, Schmerz, tröstende Worte die ich höre. Verdammt, lässt den Blödsinn. Ich kann mein Versprechen meinem Sohn gegenüber nicht halten. Was glaubt ihr wer ihr seid das ihr einen Vater trösten könntet der gerade seinem Sohn gegenüber ein Versprechen brechen muss?

Um Fair zu sein hatte mich alle Reporter oder Kameraleute gefragt ob sie Filmen dürfen und sie hatten ein gutes Auge daüfr, wenn ich etwas brauchte mir erst zu helfen und die Kamera mal Kamera sein zu lassen. Das beeindruckte mich – ein guter Kompromiss zwischen: Da liegt einer verletzt und braucht Hilfe, Trost und Unterstützung und wir brauchen später Bildmaterial.

Kalt. Klitschnasse Klamotten. Ich verlangte eine Schere und entledigte mich der Laufhose. Bett war eh schon nass. Schmerzmittel halfen nur bedingt. Ich bekomme warmes Wasser und Tee. Mir wird wärmer und damit werde ich noch emotionaler. Heulen und die Situation realisieren. Wann kommt endlich mein Kleiner?

Die Familie kommt. Aber ohne den „kleinen Baum“. Frustration. Wo ist er? Warum ist er nicht da? Eine Stunde Bergstraße war ihr zu gefährlich um Ihn ohne Kindersitz bei dem Wetter mit dem Auto hierher zu fahren, und das auch noch unter Zeitdruck. Verständlich  und eine gute Entscheidung, aber innerlich nicht akzeptiert ich brauche ihn jetzt. Also ließ ich mir ständig Bilder und Videos von Ihm zeigen wie er lacht und unbeschwert sein junges Leben genießt – das beruhgte mich ungemein und tröstete mich. Seine Augen sagten immer: „bleib locker, ist doch nur der Fuß gebrochen, wird schon wieder… nix schlimmes…“

Stellvertretender Direktor des Enshi Tourism Bureau

Der stellvertretende Direktor der Tourismus Behörde, mit dem ein Treffen geplant war kam auch die lange Strecke gefahren um zu sehen wie es mir geht. Seine Entscheidung: sofort ins Zentrale Krankenhaus von Enshi welches besser ausgestattet ist. Er würde das organisieren. Gesagt getan. Jeder hörte auf Ihn – keiner Diskutuerte. Er war nicht nur von seiner Position her die Führungskraft vor Ort, er war auch – eher ein Typ wie ich – klare Ansagen, nicht diskutieren und machen.

Victor rief an. Nun war es an der Zeit ihm zu sagen: Keine Sorge, Family und Freunde kümmern sich um dich – sag ihnen was du brauchst – ich bin im Krankenhaus. Kannst Du noch dies und das mitbringen. Safty first für Dich und das Auto.

Ich gab dann an mein Team, Familie und Carlos (Medienspezialist im Auftrag von 361° der mir auch sonst viel Hilft und inzwischen Freund) Anweisungen Victor in jeder Hinsicht zu helfen und sich gut um Ihn zu kümmern. Ich wusste ich kann mich auf meine Leute Verlassen – die wissen was mir wichtig ist und sind es gewohnt professionell und zuverlässig zu agieren. Das beruhigte mich auch. Victor wird eine Hotel bekommen, in die Stadt finden und gut versorgt werden. Später war er dann natürlich auch bei mir im Krankenhaus.

Schwup war ich wieder im Wagen auf der Boden-Ladefläche. Diesmal ausgestattet mit Kissen um mich herum damit ich weit genug an den Sitz kann um den Kofferraum zu schließen. 1-1,5 Stunden holprige Bergstraße bis zum City Hospital. Schmerzen in jeder Kurve aber beruhigt zu wissen es geht vorwärts.

Zwischendurch konnte ich sogar ein paar Minuten Schlaf finden. Gut schlaf, werde ich später feststellen, ist nicht nur ein Luxus sondern auch eines der besten Beruhigungs- und Heilmittel die man finden kann.

Angekommen im zentralen Krankenhaus wurden weitere Untersuchungen gemacht. Noch mal Röntgenaufnahmen beider Füße von allen unterschiedlichen Positionen. Macht ja nix – tut nur ein bisschen weh. Nachdem ich aber eine „heiße Kartoffel“ bin, dass heißt ein internationaler Fall mit medialer Aufmerksamkeit bis ins Staatsfernsehen, bin ich auf der einen Seite natürlich nicht ganz so gern gesehen und auf der anderen Seite auch ein Vorzeige-Objekt das bestätigen kann, dass hier alles Top ist.

Ein Risiko will aber trotzdem keiner eingehen. Also CT fast am ganzen Körper, Ultraschall intensiv wie noch nie, alles doppelt gecheckt. Na Prost Mahlzeit.

Immer mit Schmerzen. Egal. Was mich aber am meisten erstaunt hat ist, alle anderen die ich nebenbei gesehen habe sind  ebenfalls extrem gründlich und aufmerksam untersucht worden. Erst dachte ich, weil ich da bin und alles sehe. Aber auch in den Momenten wo ich nur so dazu kam – zufällig – oder aus den Gesprächen, von denen ich noch viele haben durfte, merkte ich das.

Das Patientenverständnis ist anders und das, trotz eines sehr hohen Stresslevel der auch in chinesischen Krankenhäusern herrscht.

Auf dem Weg zum ersten Check war dann auch noch „Nihao Deutschland“ Zeit – Peter rief an – oh dann muss es wohl ca. 17:00 Uhr sein. hahahah ich nahm ab und sagte nur kurz etwas wie: „Peter wir haben keine Zeit – ich hatte einen Unfall, Füße gebrochen, bin im Krankenhaus aber ok – wir sprechen morgen“ – Später erfuhr ich, dass ich damit mal ganz DFA inklusive Herrn Keiser geschockt hatte. Aber die DFA mit Herrn Keiser und dem Team von Nihao Deutschland, Sophie, Peter und Marco sind mir so ans Herz gewachsen, da geh ich gerne mal kurz vor der nächsten Untersuchung noch schnell ran.

Nach einiger Prozedur – immer unter Aufsicht des „hohen Beamten“ war klar: beide Fersenknochen gebrochen, mit Splittern vermutlich… Eine OP ist keine Alternative sondern ein Muss war dann schnell klar.

Also einquartiert in mein Zimmer. 4 Personen, 3 Männer eine Frau. Alter zwischen 24 und 65 Jahren und der deutsche Ausländer mit chinesischen Namen und komischen Geschichten mitten drin…

Der „hohe Beamte“ organisierte auch gleich eine „Pflegerin“ (Name: Niang Niang) die sich fortan 24 Stunden um mich zu kümmern hatte. Zahlen muss ich die natürlich selbst. Mir wurde ganz bang. Ablehnen geht nicht so einfach ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen. Was tun? Family fragen. Ok – überschaubarer Betrag. 110 RMB – ca. 16€. Pro Tag!!! 24 Stunden bedeutet übrigens auch: sie schläft auf einem Feldbett direkt mit im Zimmer.

Die gute Seele ist für mich „verantwortlich“ tough, straight, kompetent und herzlich, lustig und ein Schelm. Was brauch ich mehr sagen. Ich mag Sie. Mit 47 Jahren und schon Enkelkindern und reicher Tochter müsste sie diesen Job nicht machen. Aber sie liebt den Job – und das merke ich die Tage noch.

Ich hatte Schmerzen.

Höllische Schmerzen. Egal. Das interessiert hier erst jemanden wenn es „echte“ Schmerzen sind. Ich habe schnell gelernt das es „eigentlich“ gar nicht so weh tat. Gefühlt war das der Moment an dem ich auch die Schmerzmittel frei an mein Bett bekam. Ich glaube die wussten, wenn er erst mal kapiert hat, dass es schlimmeres gibt dann braucht er die Mittel eh nicht mehr – so war es dann auch.

Die erste Nacht war schnell da.

Also schlafen. Nicht mehr viel waschen und tam tam. Kurz was essen – vom Laden neben an und bubu machen…..

Frust kommt Nachts wenn sonst der Frost kommt.

So war es auch bei mir. Ich lies mir alles durch den Kopf gehen. Immer und immer wieder. Meine eigene Dummheit? Blöd „gelaufen“? Schicksal? Ne Botschaft? Strafe für meine Bösen taten? Ein Test? Nach ein bis zwei Stunden hatte ich genug.

Konzentrieren und fokussieren. Worauf? Familie, Atmung, das Ziel und das wissen, dass alle erwarten, dass ich die Kontrolle behalte und beende was ich angefangen habe. Na ja und einige erwarten bestimmt eine Aufgabe oder ein Scheitern. Egal. Ave Maria, la le lu, you raise me up, wake me up, the way you look at me, pachelbel’s canon in d major piano, …, …, ….

Viele Male bin ich aufgewacht, immer mit dem Wissen – Schlafen hilft dir jetzt am besten. Schlafen. Schlafen. Schlafen…

Tag 1 after shit happens…

Der nächste Tag brachte nicht die Erkenntnis das es sich nur um einen Traum handelte. Ich wollte aber auch nicht akzeptieren das es ein Alptraum ist oder wird. Also was tun? Das, was ich glaube ich am besten kann. An die Sache rangehen, überlegen, Lösung finden und Entscheidungen treffen und andere Aufbauen. So viele waren geschockt, traurig und frustriert. Hilft nix. Niemand braucht das. Also aufpäppeln, ermutigen, zusprechen und mir dabei immer selbst mehr Mut machen.

Trotzdem hatte ich Verpflichtungen. Ich hatte der Uni und den Studenten einen Vortrag zugesagt. Am Tag vorher rieten mir zwar alle ab, aber ihr kennt mich…

Es war nicht nur toll, es war Großartig und die einzig richtige Entscheidung. Die Studenten und Profs hoch begeistert, ich abgelenkt und mit dem Wissen als Vorbild zu zeigen, dass unser Leben manchmal hart ist, wir aber zu unseren übernommenen Aufgaben und Verantwortungen stehen sollten und können.

Mut ist ein gutes Stichwort. Ich bin nicht Mutig. Überhaupt nicht. Ich plane alles. Ins kleinste. Alle Details. Ich kontrolliere meine Angst durch Planung, Vorbereitung und Training. Das gibt mir Halt und Sicherheit. „Du kannst nicht alles planen…“ habe ich oft gehört. „Du kannst dich nicht auf alles vorbereiten…“ Dinge sind nicht vorhersehbar- das stimmt theoretisch, aber nicht immer. Also ist auch das was jetzt passiert ist geplant und in gewissem Sinne vorbeireitet – jetzt kommt es also zur Realität.

Ich behaupte von mir, ich bin in der Lage wie ein Gangster, Terrorist, Polizist, Richter, Arzt, Pfarrer, Sportler und so weiter zu denken. Mir fehlt das Wissen, die Erfahrung und vieles mehr, aber was ich meine ist: ich traue mich auch, selbst das Sterben durchzudenken, ich erlaube mir gute und böse Gedanken zu haben, … – Denken in alle Richtungen.

Den ganzen Tag erlebte ich also verschwommen. Ich war nur beim Lösung suchen, anderen zu sagen „es wird gut“, mich mit dem Junior zu beschäftigen, Schmerz zu bekämpfen und daran zu denken wer jetzt informiert werden muss und wie, wie ich meine finanziellen Lücken jetzt stopfe und was noch zu tun ist. Der Kopf raucht aber das ist meine Welt – eigentlich ging es mir grad gut weil ich gefordert war. Ich liebe es schwierige Projekte die andere Aufgeben würden weiterzuführen und das such zum Erfolg – das war auch jetzt mein Ziel.

Irgendwie war mir klar: Rücktransport oder in China eine OP? Schwer. Zahlt das die Auslandsreise KV? Was ist mit hier operieren? Was wenn die nicht zahlen? Oder nicht alles? Ich bin „blank“?

Mehrkosten und Ausfall durch Sponsoren hab ich jetzt sowieso. Und das obwohl ich immer noch nicht alles durch finanziert hatte. Oh Backe…

Was ist das eigentlich was ich habe?

Comminuted fracture of both calcaneus and injury of both tibiofibular ligaments ????

Ok vom chinesischen ins englische übersetzt … na wir sagen mal: beide Fersen gebrochen mit Splittern und noch irgendwelche Bänder hin.

Bedeutet? Nix gutes…. komplizierte OP, schwierig, hohe Chance auf Dauerschäden, Wundinfektionsrisiko 30%???, Arthrose, Gelenkfehlstellung, Gelenkfeststellung, chronische Schmerzen, nie mehr richtig belasten können, … nebenbei häufig bei Stürzen Korpelschaden, Hüfte, Knie und andere Probleme, … und jetzt auch noch ein fettes Gewitter….

Kurz gesagt: ich bin am A….! Nein – ich entscheide was mit mir ist und wie ich mich selbst aufbaue – ich gehe jetzt mal davon aus: Es wird gut – und es wird lösbar.

Viele Checks, lange Gänge, CT, Bluttest, Arztgespräch, überlegen wie geht’s weiter, Schmerzen.

Und der kleine Baum (der Name für meinen Sohn) – sein Name hat jetzt eine neue Bedeutung. Er ist der Baum an den gelehnt ich mich sicher fühle und aufrichten kann. Er gibt mir mit der Familie die Kraft und den Mut.

Heute wird nix mehr entschieden. Aber ich habe jetzt einen Plan – ein Plan der – wie sich später herausstellt – genau der Gleiche ist, den auch Victor mein treuer tapferer Begleiter zeitglich genauso ausgestaltet ausgeheckt hatte. Wir sind halt doch schon 6 Monate zusammen.

Wie geht’s also genau weiter? Geht’s weiter? Muss es weiter gehen?

Ja es geht weiter. Wie immer als Team mit Victor. Auf jeden Fall musse es weiter gehen.

Laufen ist Mittel zum Zweck – es geht um Vorurteile Abbauen, Lebensträume verwirklichen und zu zeigen was möglich ist – jetzt habe ich noch mehr Möglichkeit dazu und finde es jetzt sogar noch reizvoller zu zeigen: Das was ich Euch vorher erzählt habe – positiv die Lösungen planen – tue ich auch in schweren Situationen….

So, nun habt Ihr mein Update und das nächste folgt balt. Danke für all die Zuschriften, Mails, Posts und Nachrichten für meine Genesung, Unterstützung und Mut. Danke auch für die vielen finanziellen Unterstützungen die ich bereits bekommen habe. Das alles hilft sehr viel und zeigt mir: Das ist der richtige Weg – und Ihr alle geht Ihn mit Victor und mir.

Im nächsten Artikel könnt Ihr lesen wie meine OP verlaufen ist und wie es mir im Krankenhaus hier in Enshi geht – soviel aber schon vorab: mir gehts gut und ich hab mein Lächeln nichr verloren.

DANKE

Euer

Kai Markus


www.runmysilkroad.com

Ein Projekt zur Völkerverständigung unterstützt von der Senatskanzlei der Freien- und Hansestadt Hamburg, der UN WTO (Organisation der United Nations)

Schirmherr: 1. Bürgermeister der Freien- und Hansestadt Hamburg Herr Olaf Scholz


Wördenmoorweg 69 – 22415 Hamburg

Mobil: +49-171-5214627


Facebook, Instagram, YouTube, LinkedIn, Twitter, Wechat und Weibo:

@runmysilkroad


Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

4 Kommentare

  1. Andreas Oktober 13, 2017

    Lieber Kai,
    Gute Besserung!!!
    Liebe Grüße aus Stuttgart
    Andreas

    • youshouldrunhere Oktober 13, 2017 — Autor der Seiten

      Danke Andreas. Wird schon werden 🙂 lg aus china

  2. Erich Oktober 17, 2017

    Lieber Kai
    Euer tolles Abenteuer habe ich online seit dem Start mitverfolgt und immer gedacht….. wahnsinnig toll!!!!
    Ich wünsche Dir alles gute und schnelle Besserung. Victor und dem Bug auch und halte uns auf dem laufenden.
    Grüße aus der Schweiz
    Erich

    • youshouldrunhere Oktober 18, 2017 — Autor der Seiten

      Danke Erich. Wir halten euch up to date. Und Danke für die Wünsche. Grüezi in die Schweiz 🙂

Antworten

© 2017 you should run here …

Thema von Anders Norén