12.000 km – 里丝绸之路德国至中国a

Russland Teil II – Wenn aus Здравствуйте [sdráßtwujti] →салам алейкум [ˈzaːlɛm aˈlaɪ̯kʊm] wird

Hallo an alle die meinem Blog folgen und gere was in (schlechtem) Deutsch lesen… hier der zweite Teil aus Russland.

Mein Name ist Kai Markus Xiong (44 Jahre) Ich bin Initiator und Läufer des Kultur-Marathon www.runmysilkroad.com von Hamburg nach Shanghai.


Damit bin ich der erste Läufer, der von Hamburg nach Shanghai als Nicht-Profisportler eine Kulturbrücke mittels Marathon schlägt. Täglich 60-80 KM laufen – nur alle 9 Tage Pause für den Kulturaustausch. Gesamt werde ich 237 Tage unterwegs sein, durch 8 Länder (Deutschland, Polen, Weißrussland, Russlanud, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisien und China) laufen und über 18,5 Mio. Schritte zurückgelegt haben.

Ich freue mich, dass Sie mich unterstützen und auch Interesse an meinem Blog haben.

 12000 km für mein Anliegen – run to break down prejudice.

Unterstützt von der Senatskanzlei Hamburg, der UN WTO und mit Olaf Scholz als 1. Bürgermeister Hamburg als Schirmherren.

Aktuell sind Victor und ich bereits seit 5 Tagen in Kasachstan und jetzt gerade in der Stadt Atyrau – aber jetzt erst gibt es wieder die Zeit etwas zu schreiben und gutes Internet.

Wo sind wir gerade? -> LIVE TRACKING SEITE

Meine Meinung zu Russland hat sich zum letzten Blog Beitrag noch deutlich verbessert – ich habe nicht nur meine Vorurteile über Board werfen können, sondern sogar Freundschaften geschlossen, die ich nicht für möglich gehalten hätte.

Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Noch bin ich ganz erschlagen von den Eindrücken die das riesige Land, in dem ich jedoch nur einen kleinen Bruchteil sehen konnte, auf mich gemacht hat. Von Schnee und heißer Steppe hatte ich alles gesehen und so waren auch die Emotionen der Menschen denen ich begenet bin.

Voronezh…

…war also ein weiterer Stein in der Kulturbrücke die ich am 12. März anfing zu bauen. Von Begaem.com unterstützt traf ich dort auf zwei wunderbare Menschen. Juri und Diana.



Juri war unser Kulturattaché und Diana war unsere perfekte Dolmetscherin die Jahre lang in Freiburg lebte und jetzt mit Ihrem Mann wieder in Russland lebt. 


Die beiden hatten ja einen merklichen Altersunterschied und so konnten wir die Breite der Sichtweise zur eigenen Kultur bestens kennen lernen. Das ist wieder etwas was mir auffällt. Es ist kein Unterschied zu uns – die älterne und die jüngernen sehend das eigene Land, die Nationalität, die Geschichte und das Leben in anderem Blickwinkel. Hier haben wir es als Aussenstehende erleben dürfen und ich musste oft Schmunzeln wenn Diana wieder mal Übersetzt hat: „Juri ist der Meinund dass, …. aber ich bin da anderer Meinung…“ Das war toll – Diana hat es geschafft uns beides klar zu verdeutlichen – ohne Wertung. 


Das ging schon mit russischem Essen und Essgewohnheiten los – wie trinkt man den Wodka richtig, was ist „typisch“ russisches Essen? Und wo gibt es die frischesten und unbelastetsten Früchte, Gemüse und andere Waren?

Von den beiden wurde uns dann auch Voronezh gezeigt – eine wirklich Besuchenswerte Stadt. Eigentlich wollten wir ja in eine typisch russichem Hotel übernachten – aber wir bekamen ein Angebot das Holiday Inn Express Voronezh gesponsort zu bekommen und da unser Budget sehr klein ist, nahmen wir dankend an – Das habe ich überhaupt nicht bereut.


Zum einen, da es für die Lokale Presse einfacher war uns dort zum Interview zu treffen und die Dinge mit Übersetzer und Hilfe des Hotels zu arrangieren, zum anderen, da ich hier auch den ersten Chinesen auf unserer Russischen Strecke treffen konnte. Er studierte in Voronezh und treibt jetzt regen Handel zwischen seiner Heimat in China und Voronezh.


Neben den lokalen Sehenswürdigkeinten von denen mit der Hund mit dem einzelnen andersfarbigen Ohr am meisten begeistert hat, bekam ich eine wunderbare Massage die mir Juri organisiert hat. Es war einfach klasse und für meine müden und geschundenen Beine eine echte Erholung.


Nachdem ich über Wechat und alle anderen Sozialen Netzwerke poste wurde ich auch gleich angeschrieben. Lustigerweise von Saras Tika Dewi einer jungen Indonesierin die in Voronezh arbeitet. Sie hat mich gleich in eine locale Bar geschleppt und wir hatten eine Lustigen und Unterhaltsamen Abend. 


Der Austausch zwischen Lokal lebenden Ausländern und mir als Deutschen über Russland bringt noch einmal eine Bestätigung meiner Sichtweise und Erfahrung. Sie bestätigte mir, seit Sie in Russland ist, keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht zu haben – allerdings bestätigte Sie mir auch, dass es im ersten Moment schwer aussieht Kontakt herzustellen – aber auf den zweiten Blick wird es dann deurlich einfacher.


Juri hat noch viele Punkte mit uns besichtigt und für mich war der große Markt ein weiteres Highlight. Alle Leckereinen und alles auf einem Platz – Filmen und Fotos eigentlich verboten aber wir konnten nicht anders und mussten doch das eine oder andere schießen. Und die, es gesehen haben lächelten nur freundlich.

Auch der Bug wurde einer Check Controll unterzogen aber das ist Victor’s Thema…
Das weiterlaufen ging dann natürlich auch wie geplant weiter. Ein Tag Pause mit vollem Kulturprogramm ist nicht viel. Langsam merke ich auch, dass der erste Tag nach dem Pause Tag echt hart ist. Weniger als Erholung wie ich dachte. Dahr habe ich in Voronezh dem ersten Tag nach der Pause auch gleich einen Namen verpasst: Day of regret – Tag der Reue – alles was ich nicht geschlafen, zuviel oder falsch gegessen, getrunken oder zuviel gelaufen bin rächt sich nun doppelt – aber ich kann an den Erinnerungen und den tollen Menschen zehren und das kompensiert einiges.


Juri hatte uns versproechen nach 2 Tagen wieder zu uns zu stoßen und uns in ein abgelegenes russisches Dorf zu bringen wenn wir bereit sind, unsere Route etwas zu ändern. Da hieß es nicht lange Überlegen. Wann habe ich die Möglichkeit zu so einer Chance – ohne Tourguide und echte Bekanntschaften weit ab der normalen Städte?


Toll und ein Vertrauensbeweiß wenn man Juri kennt. Er nimmt sein Land und seine Kultur sehr ernst was mich bis jetzt begeistert. Er ist zudem auch noch Läufer und brachte mich mit seiner Trainerin – einer ehemaligen Profisportlerin in Voronezh zusammen, zudem tauschten wir uns über seine neuen Erfahrungen als Langstreckeläufer aus. Immerhin startet er seine Laufkarriere mit Ende 50 was mir großen Respekt abzollt.


Also liefen Victor, der Bugavan und ich bis zum benannten Treffpunkt, wurden pünktlich von Juri und Dianas Mann (er hatte hier die Übersetzer Rolle Übernommen) aufgegabelt. Über eine Längere Strecke ging es dann eine kleine Landstraße bis zu einer Kreuzung. Juri hielt an und fragte: „Wollt Ihr einen sehr alten Baum mit ca. 200-250 Jahren sehen?“ Oh nein dachte ich – ich habe schon so viele alte Bäume gesehen und auch wenn ich alte Bäume wirklich liebe – so ein Abweichen der Route kostet sowieso schon viel Zeit und bestimmt nich für Bäume ansehen dachte ich mir. Aber Höflichkeit und Respekt siegten – Juri war mir als Mann begegnet, der immer einen tieferen Gedanken hat wenn er etwas Vorschlägt. Daher folgten wir seiner Empfehlung.


Das was ich dann sah war emotional ein riesen Highlight. Eine alte Eiche – fantasisch anzusehen – im Wald an der Einfallsstraße zum Ort gelgen. Der örtliche Schulleiter wartete bereits auf uns. Der Baum war genau so wie ich Ihr für mein Logo ausersonnen hatte. Eine Eiche – starker Baum – der chinesiche Vorname meines kleinen Xavier-Xushu und dazu noch Nationalbaum in Deutschland.


Ein sehr glücklicher Moment den ich noch dazu mit Juri und dem Schulleiter teilen durfte.

Von dort fuhren wir dann immer schlechter werdende Straßen entlang in den Ort um auf einem Platteau einen sagenhaften Ausblick auf ein Naturschutz Reservoir zu bekommen den ich hier mit Worten nicht beschreiben kann. Auch ein Bild kann die Stimmung nicht wiedergeben. Erst der Baum – die alte Eiche, der Eindruck wieder im echten Russland weg von der großen Stadt zu sein, die Abenddämmerung mit weichem Sonnenlicht, das erfrischende Grün des kommenden Frühlings, all die freunlichen und offenen Meschen die es ermöglichten hier zu sein und der Blick auf eine Flußbiegung in die Weite des geschützten Gebietes an einer Steilklippe die schon mehrfach Erdrutschabgänge hatte. Sagenhaft


Wir durften die Örtliche Schule des ca. 600 Seelendorfes besichtigen, welche zugliech Kinderkarten, Versammlungsort, Kino und Theater ist. Der Direktor scheute keine Mühen uns zu erklären was er hier tut und warum. Spärlich eingerichtet sah man dennoch die Liebe zu den Kindern und das besten Ansinnen Ihnen für Ihr späteres Leben alle Fähigkeiten zu vermitteln, die mit den gegebenen Mitteln möglich waren aber auch sinnvoll erscheinen. Auch die Sicherheit war großgeschrieben. Zunächst errinnerten all die Überwachungskamers mehr an das Wort selbst – Überwachung – aber ein Blick auf den Monitor der „Schaltzentrale“ zeigte mir schnell, dass es hier wirlich zum Schutz der Kinder aufgebaute Kameras waren – also wieder weg mit meinem Vorurteilsdenken.


Und wie ich so oft gewarnt wurde, es wäre schwer von Beamten ein Video zu drehen, offen über alles – auch die Probleme – zu sprechen oder gar noch frei zu sprechen. Oft wurde mir gesagt, ich müsste Aufpassen und mir würde genau gesagt was ich filmen darf und was nicht – und was die betreffenden Personen antworten dürften und was nicht. Bis zum Ende meiner Russland Etappe habe ich weder in den großen Städten noch in den kleinen Städten so etwas erlebt – ich kann nicht ausschließen, dass es so etwas gibt und ich kenne auch all die Berichte – aber hier und heute geht es um meine 30 Tägige Erfahrung in Russland – die Erfahrung eines Menschen der selbst kein Blatt vor dem Mund nimmt und der offen und hinter die Kulissen schaut. Ich hatte zwar mein eigenes Vorurteilsdenken dabei – aber keines derer wurde bestätigt. Es hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich bewusst und absichtlich meine Focus auf die positiven Seiten lege und nicht zum Kritisierne und schlecht reden gekommen bin.

Ich käme nicht mehr zum weiteren Teil in Russland wenn ich alle Erlebnisse hier schon ausführlich erzählen würde, daher nur ein paar eindrücke als Bilder aus unserem Aufenthalt im Dorf mit Besuch bei Freunden von Juri, der Russischen Sauna, dem Übernachten bei den Freunden und das gemeinsame erwachen in einem tollen Dorf mit vielen aussergewöhnlichen Menschen.


Volgograd

Weiter ging es dann wieder per pedes im langesame und schnellen Tempo Richtung Volgorad – meinem vorher ausgewählten HighLight in Russland. Nicht nur historisch und mich der Verantwortung als Deutscher stellend wollte ich das Nationale Mahnmal Mutter Russland besuchen – auch wollte ich nachempfinden, warum meiner Meinung nach das Land immer noch unter den folgen des 2. Weltkrieges leidet – auch wenn viele das nicht sehen oder glauben wollen. Die ganze Russlandreise sind mir immer wieder Mahnmale 1941-1945 begegnet – sei es aus Propaganda oder wirklicher Erinnerung – man wird den Druck und die Geschichte nicht los – daher ist und war mir Volgograd besonders wichtig.


Begaem hatte auch hier wieder voll zugeschlagen. Eigentlich ist es eine Vereinigung und ein Familienbetrieb der sich um sporltiches Kümmert – aber  Margarita Grigoryeva versteht es nicht nur die Läufer zu vereinen – sie versteht es auch Ihr Land und die Kulturbrücke mitzubauen für die ich losgezogen bin. So hatte Sie hier den Jungen Constantin Sudarchikov – den Sonnenschein Volgograds kontaktiert. 


Constantin ist in meinen Augen ein Ausnahmetalent. Er konnte kein Englisch bevor wir Kontakt hatten. Weder ich noch Renz der Koordinator meines Sponsor 361degree Europe merkten dies beim Facebook Chat. Constantin half uns den Aufenthalt in Volgograd so spannend und emotional geladen zum gestalten, dass sich hier eine Freundschaft entwickelt hat, die ich hoffentlich zu pflegen im Stande bin.


Ankommend an der Stadtgrenze wurden von von Ihm und seinen Läufern bereits erwartet. 10 km wollten diese mit mir bis zum Hotel laufen. Zuvor aber hatten wir fast den Anhänger verloren – eine Schraube der Anhängerkupplung hatte sich geläst und der Anhänger verlor das Stützrad und nur mit Glück ist Victor meinem Teamkollegen nichts passiert. Wow Glück gehabt. Er hatte aber alles im Griff und mit Constantins Hilfe kam auch alsbald eine neue Schraube und Victor konnte mit in die Werkstatt zur weiteren Überprüfung fahren.


Ups, da waren ja Kinder dabei? wow nur ca. 10 Jahre alt – Alle liefen unser Tempo und das ohne zu meckern. Wahnsinns Respekt – wir sind nicht bewusst langsamer gelaufen. Auch Jurian und Renz von 361degrees Europe sind mitgelaufen was mich sehr gefreut hat. Der erste Sponsor der ein Team zu besuch sandte um zu lernen und zu verstehen was hier passiert und was wir wirlich so alles erleben.


Beim Hotel ParkInn by Radison (glücklicherweise wieder gesponsort bekommen) angekommen erwartete uns schon das „Empfangskommitee“ von Constantin mit rotem Zieleinlaufband und lokalem TV. Was für ein Empfang. Dolmetscher wieder mit dabei. „Welcome to Russia“ jubel kam und ich war sehr gerührt – ich bin kein Star und mache doch eigentlich nichts besonders, trotzdem werde ich so empfangen. Toll. Wir hatten dort dann nicht nur das Interview (wieder ohne vorgegebenen Redetext und ohne Beschränkungen) sondern machten auch gemeinsam die von Victorl ins Leben gerufenen +one challenge zusammen. Zum Schluß gabe es noch kleine Geschenke aus Volgograd und ein tolles Gruppenbild.


Der nächste Morgen – Pausetag wohlgemerkt – startete mit einem 5 KM Lauf mit der berüchtigten und berühmten Laufgruppe des Elton Ultratrail Marathon. einem sehr harten Ultratrail Lauf mit ca. 130 KM in glühender Hitze. Die Jungs und Mädels haben es definitiv nicht nötig mit mir zu laufen und trotzdem war es ein Highlight für beide Seiten wie ich denke. Ausgezeichnet mit dem Symbol des Ultratrail kam auch das CCTV Filmteam aus China dazu und so hatten wir wieder eine Mediale Brücke des deutschen mit Läufern aus Russland und TV aus China geschlagen.


Im Anschluß hatte Constantin noch eine professionelle Sportmassage organisiert – Wirlich toll – Trainerin und Elton Läuferin, Sportlerin druch und durch Галинка Малинка knetete mich von sanft bis hart durch und brachte meine Beine wieder auf Vordermann.

Dann ging es an den für mich schwern Teil – Mutter Russland Gedenkstätte besuchen. Für viele mag das lächerlich klingen aber für mich war es bedrückend – ich fühle mich – obwohl ich noch nicht mal auf der Welt war – als Teil des Desasters welches passierte. Und gerade jetzt, wo die Welt wieder abzudriften droht wird mir bewusst wie wenig wir aus der Geschichte lernen.

Die vielen Namen der gefallenen Soldaten bei der Ewigen Flamme waren für mich belanglos – es waren die vielen vielen Mütter, Frauen, Kinder Großeltern die einen oder mehrere geliebte Menschen verloren hatten. Ein Leid welches ich jetzt, wo ich selber Familie habe, noch mehr empfinden kann. Das CCTV Team machte nur seinen Job als es mich auch beim Gang zur Gedenkstädte filmte – aber ich hasste und hasse noch immer diesen Moment – ich wollte alleine sein. Es klingt vielleicht komisch, aber mein Herz war zugeschnürt und die propagandistische Aufbereitung des Platzes war genau richtig um mit der eigenen Seele an das Leiden erinnert zu werden.

Ich war aber nicht alleine. Also schnappte ich mir am Ende Jurian und wir hattne ein kurzes aber intensieves Gespräch was in unsere Köpfen gerade umherging. Es ist schon komisch. Ein Niederländer, ein Deutscher, ein Russe – zusammen vereint an diesem Gedenkort.

Und um uns herum viele spielende fröhliche Kinder die – Gott sei dank – dieses Schwere nicht empfinden und es eher als Lustig ansehen was die große Frau auf dem Berg mit dem Schwert so fuchtelt.

Abends ging es dann gleich sportlich weiter – Training mit Constantin, der immer auf mich Rücksicht nehmen wollte aber doch nicht sollte. Er ist ein großaritger Motivator und noch besserer Volgograd Versteher als man auf den ersten Blick denkt. Vor dem Training brachte er uns noch in ein Café welches zu einem seiner Lieblingsplätze gehört und er erklärte mir die Stadt mit seinen Augen. Kein grau, keine beängstigende Kulisse, nein – Frühling, Farben, Fröhlichkeit. Volgograd ist definitiv ein Platz den man als Tourist besuchen kann und sollte und im Frühling besonders.

Dann ging es auch schon wieder zurück zum hotel um für den nächsten Tag gewappnet zu sein – denn nach diesem Megaprogram in Volgograd kommt der „Day of regret“ wie ein Hammer.


Über 60 Km standen am nächstne Tag auf dem Programm – Renz und Jurian begleiteten mich den ganzen Tag und wir machten auch noch unsere Live Schalte zum Nihao Deutschland Team in Köln und ein Interview mit Jurian dem 361 Europa Chef und mir.

Dieser Tag war wohl einer der schwersten Lauftage überhaupt. Aber auch den haben wir gemeistert. Die beiden hatten uns dann spät abends kurz vor dem Ziel (noch ca. 5-10km) verlassen, sonst hätten Sie noch eine Polizeiposten mit Kontrolle passieren und wieder zurück fahren müssen – das war aber nicht mehr notwendig. Trotzdem war es für mich gut, den beiden meine Sichweise und Erwartungen zu erläutern und auch den Druck zu zeigen unter dem ich seit ca. 60 Tagen stehe. 7 tage die Woche 24 Stunden am Tag. Und ich kann sagen, ich war nicht nett zu den beiden – ich nehme ja sowieso kein Blatt vor den Mund aber wenn ich erst mal loslege braucht es eine weile bis ich wieder zurückschalte. Trotzdem war es eine für beide Seiten hilfreiche Erfahrung die sicherlich in der Zukunft noch mehr Verständniss zwischen Sportler und Sponsor bringt. Daher bin ich froh, dass die beiden nicht nur neue Schuhe brachten sondern auch die Zeit in Kaufgenommen haben und mich somit 3 Tage begleiten konnten. Auch die beiden sehen nun Russland unter einem anderen Bild als vorher – viel positiver und menschlicher weil wir nicht and er Politik sondern den Menschen interessiert waren.

Atrakhan

Nach Volgograd ging es weiter Richtung Süd-Osten Richtung Astrakhan, der letzten Pausenstation vor Kasachstan. 


Erst dem normalen Zeitplan folgenden, dann aber doch eine Planänderung – 2 Tage vor Astrakhan.


Da die Scheibe immer noch nicht repariert war und ich auf alle Fälle kein Risiko eingehen konnte nicht über die Grenze zu kommen – als Tourist mit kaputter Scheibe ist das kein Spaß (auch in Deutschland müssten wir diese umgehend reparieren lassen und nachweisen.) – beschloß ich 2 Tage früher nach Astrakhan zu fahren und dort zu versuchen die Scheibe zu tauschen. Ich konne meine KM auch dort laufen oder mit dem Taxi jeweils zum letzten Endpunkt fahren und die Tagesetappen laufen.


Wie soll ich es Beschreiben? Es war ein würdiger und krönender Abschluß der ca. 30 Tage Russland – warmherzig und menschlich und so anders als der Teil zuvor. Zum einen wechselte die Umgebung von Schnee zu Frühling nun langsam zu Steppe. Mehr und mehr veränderte sich auch die Sprache im kleinen und es war nach Astrachan tatsächlich auch schon das erste Kamel zu sehen.

Fangen wir mit der Scheibe an.  Wenn einer was von Autoglas versteht, dass ist es Ватанский Николай – er ist einfach spitze. Ihr müsst wissen, es war der letzte Arbeitstag von den Großen Nationalfeiertag – Victory Day – alles ruht – nichts geht. Wir waren schon verzweifelt – eine Scheibe für den Bug gibts nicht eifach so zu kaufen – und schon gar nicht in dieser Gegend. Na ja, um es kurz zu machen – Ватанский Николай hat uns aus der Patsche geholfen und sein Meister hat eine neue Scheibe gefertigt. Im Eiltempo und mit einer Präzision die seinesgleichen sucht.

Er mochte Victor und den Bug aber so und hat die beiden so ins Herz geschoßen, dass er, während ich laufen war, mit Victor noch Sight seeing machte und uns am Abend noch zu sich nach Hause einlud – Seine Tochter hatte ja schließlich Geburtstag und wir sollten doch auch kommen. Gesagt getan – Lokales Essen, in der Großfamilie und das ganze ungeplant – das ist ein Kulturerlebniss – Hammer.


Aber es wäre langweilig wenn wir einfach nach dem Geburtstagsessen – mit echtem lokalen Kaviar, in Salz getrocknetem Fisch und Kaninchenbraten und Wodka einfach gegangen wären. Nein da kam dann noch die Idee mit dem Karaoke.


Die Tochter mit bester Freundin, Papa und Mama und uns beiden Vagabunden zum Karaoke singen – das erinnert schon an China und das Familiäre Karaokesingen – hahahahaha.

Ein toller unvergesslicher Abend.

Am nächsten Tag war Victor dann wieder mit der Familie unterwegs und ich wieder Laufen mit Fahrt zum Fischen. Über Instagram wurde ich zum Fischausflug mit Freunden eingeladen – wow – das klang gut. Also gesagt getan – ca. 30 Minuten mit dem Auto ausserhalb von Astrakhan warteten dann auch schon die Freunde von Elvira Shishova. Mit Kind und Kegel haben sich alle zum Angeln und Picknik verabredet. Sie waren alle ein bisschen irritiert über Ihre einladung von mir zum Angeln. Zumal wir uns ja nicht kannten. Sie und Ihr Baby waren aber alleine zuahuse während Ihr Mann anderen Orts arbeiten musste. Daher kannte Sie das Gefühl in einer Fremden Stadt ohne Anschluß zu sein und Ihre Einladung resultierte mehr aus Mitleid mit mir. Angekommen bei Ihren Freunden war aber nach 5 Minuten das Eis gebrochen und ich spielte mit den Kindern, unterhielt mich mit den neu gewonnen Freunden und ging fischen. Das mit dem Fischen streichen wir ganz schnell wieder, nachdem ich die Leine mit Haken und Köder gleich beim ersten Wurd direkt in einem Baum versenkt habe. Einen kleinen Fisch habe ich an Land gezogen aber der war noch zu klein und wie bei uns gibt es Regeln an die man sich hält und ich warf den Fisch wieder hinein. Das, was übringens alle machten obwohl kaum zu erwarten war, dass jemand zur Kontrolle käme. Das Verständniss für Nachhaltigkeit und auch das Erklären dieses an die Kinder hatte mich auch sehr beeindruckt.  Man merkte, dass hier klar war: Wir folgen der Regel nicht aus Respekt vor dem Gesetzt sondern aus Respekt vor der Natur – wir fischen was wir essen und wirklich brauchen – nicht mehr.“


Zurück in der City ging es gleich weiter mit einer Einladung unseres Autoretters zum Ballett. Wer hätte gedacht, dass ich in Russland und besonders in Astrakhan ins Ballett gehen würde? Aber es war toll – zumindest in der zweiten Halbzeit  die erste war ich zugegebener Maßen einfach zu Müde und wurde durch einen Starken Kaffee in der Pause gerettet.


Wer jetzt denkt, nach dem Ballet wäre mein Tag zu Ende der Täuscht sich – nein – Kulturaustausch bedeuted alles an Erfahrungen und Kontakten aufsaugen und lernen.

So wurde ich in eine Bar eingeladen – Meine Begleiterin hatte Ihre Freunde schon alle Instruiert, dass ich komme und auch einer der Freunde aus der Lokalpresse war schon anwesend. Ein toller Abend mit jungen Menschen die wiederum ganz andere Fragen stellten und mich auch schon etwas auf Kasachstan vorbereiteten, da einer der Freunde aus Kasachstan stammte.

Tag gabe es dann meine erste Offizielle Pressekonferenz in Russland im Park Inn Astrakhan – auch passend zum Abschluß. Am Anfang eines Landes kann man kaum etwas über das Land sagen, aber jetzt nach 30 Tagen hatte ich schon ein klares und gutes Bild.


Neben den vielen zahlreichen Besuchen am Hotel und um den Bugavan herum waren die Eindrücke in Astrakhan für mich so, dass ich sagen konnte: „Hier beginnt für mich das Gefühl der Seidenstraße.“ Der Mix aus bereits Orientalischem, Steppe und trockene Landschaft und die sich verändernen Gesichter, Speisen und Bauweisen und vieles mehr machten den Eindruck rund.


Ich kann noch nicht genau beschreiben warum, aber nach Astrakhan – zurückblickend auf Russland bin ich sehr sehr glücklich und zufrieden.

Nun ging es im Kopf und Herzen mit müden Beinen weiter an die Russisch-Kasachische Grenze.


Was dort passierte, und wie es uns in Kasachstan geht erfahrt Ihr wenn das Licht angeht – hahahah nein Spaß beiseite – das findet Ihr ​hier im Blog.


Wo sind wir gerade?

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Wie immer – jegliche Gleichheit mit Rechtscheibregeln und Gramatik sind für mich um 1:44 Morgens völlig zufällig, weder gewollt noch bewussst – aber Ihr seid wieder auf dem laufenden. 

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3 Kommentare

  1. Iris Mai 16, 2017

    Hallo Kai – das ist ein toller , sehr emotionaler Bericht – ich lese und lache, und gleichzeitig muss ich weinen..
    Deine Erfahrungen machen so viel Mut für die Völkerverständigung.. Danke das ich daran teilhaben kann und die Rechtschreibung sei dir verziehen
    Liebe Grüße aus Hamburg

  2. U.N.C.L.E. Mai 24, 2017

    Freuen uns das fast alles so schön klappt,
    sehen uns spätestens in Shanghai,
    SAC war kalt

  3. Jost Juni 6, 2017

    Lieber Kai!
    Im Galopp habe ich mir die Zeit und Ruhe genommen alle Kommentare aufzusaugen. Kurz und bündig: hautnahe, gekonnte, flüssige Reportage, die es locker schafft, den Leser an die Seite zu nehmen, fast möchte ich sagen, begannen meine unteren Extremitäten mit Laufbewegungungen. Welch ein virtueller Transfer!

    Dein Jost

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