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Hallo, mein Name ist Kai Markus und ich bin 2017 von Hamburg nach Shanghai gelaufen, 12000 km als Maratone entlang der Seidenstraße.

Foto: in der Biogena Zentrale in Salzburg

 Hier in meinem Blog berichte ich nun was damals alles passiert ist,

nachdem ich am 12. März 2017 von der Elbphilharmonie zusammen mit Victor Neubauer und seinem 1984er VW Käfer begleitet – losgelaufen bin. Täglich waren ca. 60-80 km auf dem Plan und alle 6-10 Tage sollte es einen Pausentag geben, welcher als Kulturtag dazu diente, die Kulturen der anderen Länder zu entdecken und über unsere eigene Kultur zu berichten. run to breakdown prejudice ist mein Motto. Mein Ziel ist es aktiv ewas gegen Vorurteile zu tun und Menschen zu motivieren Ihre Träume zu verwirklichen – kein Traum ist zu verrückt um nicht doch irgendwann wahr zu werden – so wie mein Lauf von 12000 km von Hamburg nach Shanghai. Unterstützt von der UN WTO, der Senatskanzlei der Freien- und Hansestadt Hamburg und mit Olaf Scholz als Schirmherr ging es also los.

Von Hamburg über Berlin and die Polnische Grenze. Meine Route führte uns von Hamburg über Geesthacht, Boizenburg, Grabow und Berlin bis and die polnische Grenze. Hinter Müncheberg bei Krzeszyce (Graby) überquerten wir also dann nach ca. 490 KM in Deutschland die Polnische Grenze am 18. März 2017.


Ich beschloß nach ca. 500 km und bei besonderen Anläßen meine Schuhe zu wechseln – Glücklicherweise hatte ich mit 361° Europe und China ja einen Sponsor der mir nahezu unbegrenzt Schuhe für die Tour zugesagt hatte. Also war der erste Wechsel bereits nach der Polnischen Grenze, der ersten Grenze. Da ich jedem Schuh auch einen individuellen Namen gab und auch die KM aufnotierte, die ich mit dem Schuh gelaufen bin, war hier der erste „Wechsel“ angesagt.

Der Schuhwechsel hat aber mehr Komponenten:

  • ich habe eine emotionale Brücke und Erinnerung da die Schuhe alle benannt und mit eigenen Namen ausgestattet sind und die KM mir eine gute Erinnerung an die gelaufenen KM geben
  • auch für Läufer die die Qualität von meine Schuhen sehen wollen ist es hilfreich die gelaufenen Schuhe mit jeweils einem neuen Modell abgzugleichen – was wie sich später herausstellen sollten bei einigen Modellen erstaunlich positives zu Tage förderte
  • der Fuß eines Läufers passt sich sehr schnell an Schuhe an – dies ist nicht besonders gut für lange schwere Läufe, da die Füße schneller ermüden und auch das Verletzungsrisiko steigt – das alleine bedeutet schon automatisch regelmäßigen Schuhwechsel und natürich auch sogenannten „Plattformwechsel“ Plattformwechsel bezeichnet man die Situation wenn man grundunterschiedliche Modelle wechselt – zum Beispiel nach einem Trail-Schuh in einen Stabil-Schuh oder Leicht-Schuh. Damit müssen die Füße immer wieder einen neue Anpassung durchleben und die wenig genutzten Bereiche werden gefordert.

So ein Schuhwechsel sieht dann so aus: Ich wechsele die Schuhe, schreibe die KM auf die alten und benenne die neuen. Ich habe meine eigenen Einlagesohlen und die wechsle ich dann in die neuen Schuhe. Angezogen und zugeschnürt sind diese dann wieder für die nächsten 500-700 KM dran. Übrigens: einmal zugebundene Schuhe öffne ich nie wieder – ist so eine Macke. Ich steige immer so in den Schuh und merke hier schnell Qualitätsunterschiede am Schaft hinten. Mein Motto: einmal gut sitzend gebunden – immer gut sitzend.


Nun aber zurück zu Polen. Was ist in Polen passiert? Was lief gut und was weniger? Wie ging es mir mit dem Laufen?

Bildschirmfoto 2018-04-03 um 00.19.24

Fangen wir mal mit der Strecke an: ca. 680 KM führte mich meine Route quer von West nach Ost durch Polen. Von Krzeszyce über Pniewy, Posen, Slupca, Klodawa, Kiernozia, Warschau und Kotun and die Grenze bei Terespol.

Pausen-Tage, meine sogenannten Kultur-Brücken-Tage waren in Posen (Poznan) und Warschau (Warsaw) geplant. Für Posen war dazu dann auch noch der letzte Besuch meiner Familie mit meinem Sohn. Das Wetter war Kalt und Feucht. Nachts bis zu -10° C und dies machte Victor dann auch mehr zu schaffen als mir.

Frozen Bug – Es war super kalt aber im Wohnanhänger mollige 10 Grad plus – draußen -10°C

Für mich waren eher die herumfliegenden Teile der LKW´s ein Problem. Diesen musste ich ständig ausweichen und es war fast wie ein Wunder, dass mich keines getroffen hat.

Nun, nach dem Grenzübertritt welcher recht unspektakulär über eine einfache Brücke ging, ging es einfach schnurstracks gerade aus immer der Straße lang. Allem Wind, Regen und der Kälte zum Trotz immer der Nase nach. Unser Bugavan (so nennt Victor seinen Käfer mit dem Kulba Anhänger) war die Schlepperei anzumerken und er überhizte und war sehr tief auf der Straße. Victor entschied sich also, die polnischen Autoschrauberfähigkeiten in Anspruch zu nehmen und den Käfer höher setzen zu lassen. Wow, er hatte nicht nur eine top Werkstatt gefunden, sondern diese hatte uns auch Kostenlos das Höherbauen durchgeführt. Lediglich das Material mussten wir zahlen.

So ging es auch weiter, mit der Hilfsbereitschaft meine ich. Überall auf der Straße wo man mich laufen sah, kamen Mensche und wollten wissen, was es mit dem komischen Auto und dem verrückten Läufer auf sich hat. Toll, kaum hatten wir die Geschichte und Idee erzählt, wurden wir auch schon mit nach Hause eingeladen – zum Essen. Kottlet, eines der Lieblingsgerichte der Polen kannten wir ja von Deutschland, aber diese Kottletts die wir dort gegessen hatten – himmlisch.

Weiter ging es dann Richtung Poznan, die Stadt in der ich meine Familie nun für lange lange Zeit das letzte mal sehen sollte.

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Angekommen am 20. März in Poznan konnten wir uns von dem gespendeten Geld eine Unterkunft leisten um die Zeit mit der Familie in Ruhe geniesen zu können. Ein Tag Poznan erkunden, die Kultur kennen lernen und unsere Geschichte erzählen. Auch für meine chinesischen Schwiegereltern war es sehr interessant und besonders der Schwiegerpappa erkundete die Historie und Geschichte, Bauwerke und soziales Leben intensiv.

Doch so schön es auch war – ich musste weiter. Mein Plan war es, so lange wie möglich im Zeitplan zu bleiben. Eine Verzögerung führt schnell zu der nächsten und einem Zeitplan hinterher zu laufen macht a) keinen Spaß und wäre b) nicht typisch Deutsch – so zumindest hat man uns immer wahrgenommen – pünktlich und gut durchgeplant.

Also ging es weiter Richtung Warsaw. Dort sollte uns dann schon das Team von CCTV erwarten welches wir schon am Start in Hamburg kennen lernen durften. Doch der Weg dorthin barg so einiges an Überraschungen für mich. Die härteste war wohl der 1. Versuch ein „Selfi Video“ von den Schuhen beim Laufen zu machen. Ich holte die Teleskopstange heraus, befestigte das Telefon und startete die Slo-Mo Aufnahme, keine 100 meter weiter war dann aber dieser verd… Metallstab der aus der Erde ragte und den ich mal ganz schlank übersehen hatte. Es tat höllisch weh und ich hatte schon Angst, meine Zehen wären geprochen. Aber Glück gehabt – alles lief gut und es war „nur“ ne starke Stauchung. Das Video aber ist der Hammer – leider dauert es etwas sich das anzusehen – aber das Ende des Videos fand ich selbst den Knaller – liegt doch das Telefon wieder wie die berümte beschmierte Toastbrotseite mir der Kamera obenauf und filmt mein Dummes gesicht wenn ich es wieder aufhebe… hahahah

Nach dem der Schock verdaut war – schließlich hätte das ja das ganze Projekt gefährden können – ging es weiter entlang der Landstraße, an Friedhöfen vorbei, Rastplätzen die uns auch als Campingplatz dienten und über diverse Feldwege. Begleitet von jeder Menge toten Tieren am Wegesrand die dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen sind.

Ich habe schon in Deutschland angefangen alle toten Tiere am Straßenrand zu zählen – erschreckend…

Victor musste öffter mal die Sonnenblende wieder festschrauben, meißt an den Plätzen, an denen er sowieso auf mich mit Proviant und warmen Kaffe wartete.

Am 25. März endlich in Warschau angekommen mussten Victor vor der Stadt noch ca. 1 Stunden auf das Kamerateam von CCTV warten und uns war sooooo kalt. Vor lauter Kälte standen wir da, in unseren 361° Winterjacken und sangen hüpfend: „i like to move it move it, i like to move it…“ und mussten herzhaft lachen über diese wirklich nicht abgesprochene Syncone-Tanz-Sing-Einlage.

Gefolgt vom CCTV Team lief ich dann in Warschau ein – es waren noch ca. 15 km und Dirk (sein europäischer Name – chinesen geben sich gerne europäische Vornamen damit wir es besser sprechen können) , der Cameramann und Reporter sollte ein Stück mit mir mitlaufen – was er aber schnell aufgab und sich ins Auto flüchtete. So war es dann auch eine Geschwindigkeit die mich nicht bremste.

Diese Bilder fanden sich dann auch in der CCTV Berichterstattung wieder. In Warschau wurden wir dann schon freundlich Empfangen. Besonders von einem Fan der uns bereits in Hamburg gesehen hatte, als er mit seinen Eltern im Urlaub war. Nun gab es ein Wiedersehen und wir haben noch eine tolle CD mit Bildern aus Hamburg erhalten.

Unsere Instant Suppe aus China – ein echtes Highlight unserer Tour – bis zum Ende…

Am nächste Morgen wurden wir dann von unserem Begleiter Dirk mit chinesischer Instant Suppe ausgestattet – Victor erhielt eine ausführliche Einführung und wie wir später merkten diente uns die chinesische Instantsuppe fortan als Grundstock für die Zeiten in denen wir schwerlich an genügend Supermärkten vorbei kamen.

Marathon in Warsaw beim Start auf die nächste Etappe. Victor von der Brücke und ich irgendwo dazwischen …

Aus Warsaw ging es dann mit einem Marathon welcher Zeitgleich in der Stadt statt fand raus, bei herrlichem Sonnenschien…

Doch kurze Zeit später, kurz vor Ende unserer Tagesetappe trennten sich Victor und mein Weg das erste mal länger. Ich musste durch ein Waldstück laufen welches sehr moarastig war und Victor konnte hier nicht folgen – also fuhr er ca. 30 km Umweg um am Ende des Waldes wieder zu mir zu stoßen. Verfolgt von einem Fan auf dem Motorrad ging es weiter gen Osten. Sonnenschein pur und gute Stimmung waren uns hold. Es wurde Frühling…

Am Ende unserer Tour in Polen hatte ich dann das bis dahin beste Erlebnis mal abgesehen vom sehen meines Junior. Auf Höhe von Swory kurz vor der Grenze nach Belarus hatte ich morgens einen wunderschönen Husky gesehen. Er mich wohl auch, und er verfolgte mich den ganzen Tag und wich mir nicht von der Seite.

Wollte ich die Straße überqueren, stellte er sich vor mich und stoppte mich, inspezierte die Fahrbahn in beide Richtungen und wenn nichts zu kommen schien, durfte ich erst die Straße passieren. So ging das den ganzen Tag. Als ich an einer Zoll Kontrolle vorbei kam sprach ich die Zöllner darauf an. Die meinten nur: Ach das passt schon, der wird schon wieder nach Hause laufen – und wenn nicht, hast halt einen tollen Hund als Begleiter. HaHaHa – in Polen kein Problem – aber über die Grenze nach Weißrussland würde ich den ja wohl kaum bringen können.

Was tun? Guter Rat war teuer. Victor wusste davon ja noch nichts und als wir uns Abends am Treffpunkt fanden staunte er nicht schlecht. Wir vertilgten noch ein paar Kekse und teilten natürlich mit unserm Begleiter. Dann aber hieß es Abschied nehmen und ich saß mich zu Victor ins Auto und wir fuhren ein paar KM im Zickzack davon um ihn Abzuschütteln, und wir hofften, er findet sicher nach Hause.

An diesem Abend hatten wir dann noch einen tollen Sonnenuntergang der sich zum Filmen geradezu angeboten hat. Der letzte Tag in Polen.

Spaß muss sein, auch am Ende von sehr sehr langen und anstrengenden Tagen wie diesem…


Ich hatte mich bereits an das Laufen gewöhnt und Victor und ich hatten jetzt so was wie routine entwickelt. Die Schuhe – bis dahin hatte ich ausschließlich den Sensation 2 von 361° an waren top. Keine Blasen, guter Halt und die notwendige Unterstützung im Fußbereich die den Fuß leicht aber doch sicher auftreten lassen. Ich hatte mit meinem Sponsor eine gute Wahl getroffen. Jeder Tag war aber noch eine Herausforderung, mein Körper musste lernen täglich die Leistung abzuliefern und mit den leichten Schmerzen umzugehen. Ich wusste, wenn ich dies nicht schaffe würde es sehr sehr schwer werden, den Lauf bis Shanghai durchzuhalten.

Daher habe ich mir selber getreu meiner Überzeugungszahl: 1000 als Zwischenziel die ersten 1000KM gesetzt. Und Victor und ich zelebierten diese dann auch entsprechend. „Wenn ich 1000KM geschafft habe, dann kann ich auch weitere 11 mal 1000 km schaffen!“ dachte ich mir…



Aber wie waren die Polen nun? Was von unseren Vorurteilen hat sich bestätigt? Was nicht?

Um es kurz zu machen. Die Polen sind ein sehr lustiges und freundliches Folk, unheimlich hilfsbereit und clever. Wir haben vom Automechaniker über LKW Fahrer und Anwalt bis zum Arzt alles getroffen. Aber immer war eines interessant: Respekt vor unserer Kultur und viele offene Fragen wie, warum, was, wieso…

Ein tiefes Interesse an der eigenen Kultur und das pflegen dieser konnten wir in allen Ecken spüren. Die Gastfreundschaft kann man am besten mit einem polnischen Satz verstehen. „Gast im Haus – Gott im Haus“. Auch hatten wir die polnischen Männer als Gentleman kennen gelernt die noch sehr höflich auftraten. Darüber hinaus sind viele auch nicht nur sehr sportlich sondern auch Ehrgeizig, was wohl dann als Resultat hat, das es viele bekannte Sportler unter den Polen gibt.

Was die klassischen Vorurteile angeht habe ich lediglich festgestellt, dass es leider zu wenige Polen gibt oder wir zu wenige getroffen haben die englisch sprechen. Dafür haben viele noch gute Deutschkenntnisse. Insgesamt aber sprechen noch zu wenige Polen weitere internationale Sprachen. Verständigen können sie sich aber trotzdem mit jedem den sie mögen.

Angeblich lächeln die Polen nie, aber Sie beschweren sich sehr sehr oft. Das haben wir kaum feststellen können. Bei den älterne Menschen konnte man das vielleicht noch erkennen, aber auch da war es sehr selten und wenn man die Geschichte kennt doch auch kaum verwunderlich. Aber die Polen konnten sich über sich selbst lustig machen und sind mitunter berühmt für ausgezeichnete Komödien und Kabaretts.

Trinken die Polen zu viel Alkohol? Es gibt ein Sprichwort: „essen, trinken und den Gürtel locker machen“ – aber das führt nicht dazu, dass man viele Übergewichtige betrunkenen Polen auf der Straße trifft. Wir wurden nie in Trinkgelage gebracht und hatten nie unangenehme Bekannstschaften oder Erfahrungen gemacht. Und trotzdem merkten wir, dass es irgendwie – positiv zur Kultur der Polen dazugehört gesellig zu sein und auch zu genießen. Auf alle Fälle gibt es leckeres polnisches Bier – das können wir sagen. Natürlich wird in Polen gerne getrunken. Aber es gibt Grenzen, an die sich viele Polen halten, und meißt hatten wir betrunkene Ausländer (Toursiten) gesehen die über die Stränge geschlagen haben.

Und ja, man sollte sein Auto in Polen immer noch auf überwachten und bewachten Parkplätzen abstellen. Wir haben keinerlei negative Erfahrung gesammelt, aber die örtliche Polzei hat uns dringend geraten, Victors Fahrzeug immer gesichert abzustellen. Wo und ob nun wirklich so viele Autos geklaut werden kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke auch in Polen findet ein ständiger Wandel statt und wir sollten hier offener damit umgehen. Wer die Sicherheitshinweise beachtet wird wohl sein Auto in das Land und auch wieder mit Hinaus nehmen – so wie wir unsere Begleitfahrzeug. Übringens hatte Victor ein Fahrrad dabei mit dem er Laufvideos gedreht hat – niemals abgesperrt – und doch nicht geklaut!

Und noch eines – Polen und die Polen selbst sind keineswegs wie oft gesagt „Rückständig“ In Wirklichkeit ist Polen ein sehr fortschrittliches Land: Moderne Wolkenkratzer finden sich in Warschaus Skyline ebenso wieder wie es gut ausgebildete Fachkräfte gibt. Die Entwicklung des ersten europäischen Hybridbusses in Serie ist ein weiteres Beispiel dafür.

Ein Vergleich der Daten der beiden Länder:

 

 

Fläche:

Einwohner:

 

Polen

312.680 km²

37.948.000

   

Deutschland

357.380 km²

82.668.000

Mehr zum Ländervergleich

Übrigens heißen die 16 Bezirke in Polen Wojewodschaften und enden meißt mit ..skie.

 



Kategorien: Poland

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